Allen William Seaby: Ein Meister der Farben und der Natur
Allen William Seaby ist weit über die Grenzen der akademischen Welt hinaus als ornithologischer Maler, Grafiker und Professor für Bildende Kunst an der University of Reading bekannt. Sein Schaffen war von einer außergewöhnlichen Vielseitigkeit geprägt; er war nicht nur Autor zahlreicher Kunstlehrbücher für Studenten, sondern auch ein einfühlsamer Erzähler und Illustrator von Kinderbüchern.Seaby begann seine künstlerische Reise als Schüler der Reading School of Art unter Frank Morley Fletcher, wo er eine lebensliente Leidenschaft für den japanischen Farbholzschnitt entwickelte. Seine Veröffentlichungen spannen einen weiten Bogen von der Kunstgeschichte und technischen Illustration bis hin zur Kinderliteratur. Über viele Jahre hinweg prägte er die Lehre an der University of Reading, wo er schließlich als Professor und Institutsleiter eine bedeutende Rolle einnahm. Zu seinem Kreis geschätzter Schüler gehörten Persönlichkeiten wie Kathleen Hale, die Schöpferin von Orlando the Marmalade Cat: A Camping Holiday (1938), sowie C.H. Chapman, der später die Zeichnungen für den berühmten Charakter Billy Bunter übernahm.
Für die britische Nachkriegsgeneration blieben Seabys Illustrationen vor allem durch seine zarten Aquarelle in zwei Ladybird-Büchern über britische Vögel von Brian Vesey-Fitzgerald unvergessen: British Birds and Their Nests (1953) und dessen Fortsetzung aus dem Jahr 1954.
Ein bemerkenswertes Erbe führte er auch in die nächste Generation weiter, da Allen W. Seaby der Großvater des renommierten Wildtierillustrators und Grafikers Robert Gillmor war.
Seaby galt zudem als einer der frühen Wegbereiter der Pony-Erzählungen für Kinder. Wie Alison Haymond treffend bemerkt, wuchs in den 1920er Jahren das Interesse an einheimischen Ponyrassen, und es gab kaum einen hingebungsverbesseren Bewahrer dieser Tradition als Allen W. Seaby. Er verfasste eine ganze Reihe von Büchern über die wichtigsten Rassen, beginnend mit Skewbald: The New Forest Pony (1923), das durch seine eigenen Holzschnitte und Aquarelle illustriert war. Diese Naturgeschichten ebneten den Weg für zahlreiche spätere Werke über die Welt der Pferde, wie etwa Golden Gorses Moorland Mousie (1929).
Zwischen 1923 und 1949 veröffentlichte Seaby eine Vielzahl von Ponybüchern, die – ähnlich wie das Werk vieler anderer Autoren der Zwischenkriegszeit – sowohl fiktive als auch sachliche Elemente vereinten. Seine Erzählungen zeichnen oft die Lebensgeschichten einheimischer Ponys nach, wobei die Episoden häufig den Bogen von der Geburt eines Fohlens in den Bergen oder Mooren bis hin zum hohen Alter spannen – mit Szenarien wie dem Einfangen der Herde oder der Zeit im Zirkus. Was Seaby jedoch fundamental von seinen Zeitgenossen unterscheidet, ist seine Perspektive als Naturforscher: Er beobachtete das Verhalten der Tiere mit wissenschaftlicher Präzision, anstatt sie lediglich als Reitponys für Kinder darzustellen. Wie er selbst im Vorwort zu British Ponies: Running Wild and Ridden (1936) schreibt:
„Obwohl ich weiß, dass dies eine unpraktische und unwirtschaftliche Einstellung ist, bin ich selbst mehr an dem Pony auf seiner heimischen Heide interessiert – ungehindert und frei, dorthin zu gehen, wo es ihm gefällt.“
In seinen sechs fiktionalen Werken über einheimische Ponys zwischen 1923 und 1948 schuf er lebendige Porträts ihrer natürlichen Lebensräume. Während Skewbald: The New Forest Pony (1923) und Sons of Skewbald (1937) im New Forest spielen, erkundet Exmoor Lass (1928) die Leben von fünf britischen Ponyrassen. Sein Roman Dinah: The Dartmoor Pony (135) nähert sich am ehesten der klassischen Formel des Genre-Romans: Ein Fohlen wird von seiner Mutter getrennt, findet Zuflucht auf einem Bauernhof und wird schließlich durch die Hände der jungen Dolly zu einem erfolgreichen Schaupony erzogen. Auch andere Werke wie Sheltie: The Story of a Shetland Pony (1939) oder das epische Mona: The Welsh Pony (1948), das die Reise eines Ponys von der Geburt bis ins hohe Alter beschreibt, zeugen von seiner erzählerischen Tiefe.
Neben seinen Natur- und Tierbüchern widmete sich Seaby auch der Geschichte. Seine Kinderbücher wie Omrig and Nerla (1934), angesiedelt in der Bronzezeit, offenbaren sein tiefes Interesse an Archäologie, Kunstgeschichte und Landschaft. Für Studenten entwickelte er zudem eine wegweisende Serie über die Kunstgeschichte sowie praktische Lehrwerke zur Technik des Holzschnitts, für die er heute besonders geschätzt wird. Die Kritikerin Marguerite Wencelius bemerkte bereits 1929 in der Art Bulletin bei der Rezension seiner Reihe Art in the Life of Mankind eine meisterhafte Synthese aus „idealistischem Gefühl und wissenschaftlicher Objektivität, Klarheit und Präzision“. Besonders eindrucksvoll bleibt dabei sein japanisch inspirierter Holzschnitt von Stonehenge, ein Zeugnis seines unermüdlichen Strebens nach künstlerischer Perfektion.
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