Ursprünge und frühe Kollaborationen
Die Geschichte von Basil Jones & Adrian Kohler ist eine Erzählung der künstlerischen Neuerfindung, eine Reise, die in der lebendigen und zugleich politisch aufgeladenen Landschaft von Kapstadt, Südafrika, ihren Anfang nahm. Als sie sich 1971 an der Michaelis School of Fine Art begegneten, verliefen ihre Wege zunächst in unterschiedliche Richtungen – Kohler mit einem Hintergrund in der Bildhauerei und einem aufkeimenden Interesse an der Puppenspielkunst, das er von seiner Mutter geerbt hatte, und Jones, der anfangs skeptisch, ja sogar abfällig gegenüber dem betrachtete, was er als eine minderwertige Kunstform wahrnahm. Doch das Schicksal, oder vielleicht die künstlerische Neugewissheit, griff ein. Das Duo gründete 1981 gemeinsam mit Jill Joubert und Jon Weinberg die Handspring Puppet Company. Ihre frühen Arbeiten konzentrierten sich auf die Erstellung originärer Stücke für Kinder, die Schulen in ganz Südafrika besuchten. Diese prägenden Jahre waren entscheidend, nicht nur um eine Präsenz aufzubauen, sondern als tiefes Eintauchen in das vielfältige kulturelle Geflecht der Region. Durch die Zusammenarbeit mit Persönlichkeiten wie Bill Curry begann Jones, das enorme erzählerische Potenzial zu schätzen, das dem Puppenspiel innewohnt, und bewegte sich weg von reiner Unterhaltung hin zu komplexeren Narrativen. Die Ausrufung des Ausnahmezustands in Südafrika im Jahr 1985 markierte einen Wendepunkt, der den Wandel von Schulaufführungen hin zum Fernsehen und letztlich zu Produktionen für ein erwachsenes Publikum erzwang.
Grenzen überschreiten: Politisches Theater und künstlerische Innovation
Die Mitte der 1980er Jahre markierte eine Periode tiefgreifender künstlerischer Evolution für Handspring. Ihre Produktion von David Lyttons Episodes of an Easter Rising im Jahr 1985, adaptiert von Esther van Ryswijk, war ein Meilenstein. Dieses Stück wagte es, sensible Themen – die Komplexität der Rassendynamik und der queeren Identität im Kontext des Apartheid-Regimes in Südafrika – durch das Medium des Puppenspiels zu konfrontieren. Es ging nicht bloß darum, eine Geschichte zu erzählen; es ging darum, gesellschaftliche Normen herauszuforderung und einen Dialog in einer tief gespaltenen Nation anzustoßen. Der Erfolg der Produktion, einschließlich Auftritten beim 7. Weltfestival für Puppentheater in Charleville-Mézières, Frankreich, öffnete Türen für weitere Kollaborationen mit bedeutenden südafrikanischen Regisseuren wie Mark Fleishman, Malcolm Purkey und Barney Simon. Handspring erschuf nicht einfach nur Puppen; sie entwickelten eine einzigartige theatrale Sprache, die alte Handwerkstraditionen – inspiriert von den Bunraku-Puppenspielern aus Japan und den Bamana-Puppenspielern aus Mali – mit modernen dramatischen Themen verschmolz. Diese Fusion wurde zu ihrem Markenzeichen, geprägt von akribischer Liebe zum Detail, technischer Innovation und einer unerschütterlichen Hingabe an die Erforschung der menschlichen Existenz.
Internationaler Ruhm: War Horse und darüber hinaus
Obwohl Handspring bereits in Südafrika für seine politisch aufgeladenen Arbeiten Anerkennung gefunden hatte, war es der Auftrag für neun lebensgroße Pferde für die Londoner Produktion von War Horse am National Theatre im Jahr 2006, der sie in den internationalen Ruhm katapultierte. Die Puppen waren keine bloßen Requisiten; sie wurden durch eine bemerkenswerte Technik zum Leben erweckt, bei der drei Puppenspieler pro Pferd verantwortlich waren, jeder für die Animation spezifischer Aspekte – Kopf, Schweif, Beine und den Atem. Diese Betonung des „Atems“ – ein subtiles, aber zutiefst wirkungsvolles Detail, das im traditionellen Puppenspiel oft übersehen wird – schuf eine empathische Verbindung zwischen dem Publikum und den Tieren und verlieh ihnen ein Gefühl von Empfindungsfähigkeit und emotionaler Tiefe. War Horse wurde zu einem globalen Phänomen, aufgeführt in über 100 Städten weltweit vor mehr als acht Millionen Menschen, und brachte Handspring zahlreiche Auszeichnungen ein, darunter die Critics’ Circle Theatre Awards und die Olivier Awards. Doch ihr Ehrgeiz endete dort nicht. Im Jahr 2021 begann das Unternehmen ein noch ehrgeizigeres Projekt: The Walk, ein groß angelegtes, partizipatives öffentliches Kunstwerk mit Little Amal, einer 3,5 Meter hohen Puppe, die ein syrisches Flüchtlingsmädchen darstellt.
Ein Vermächtnis der Empathie und des sozialen Bewusstseins
Das bleibende Erbe von Basil Jones & Adrian Kohler liegt nicht nur in ihrer technischen Meisterschaft, sondern auch in ihrem unermüdlichen Einsatz, das Puppenspiel als Werkzeug für soziale Gerechtigkeit und Empathie zu nutzen. The Walk dramatisierte auf seiner Reise durch Europa die Geschichten von Flüchtlingskindern und regte zur Reflexion über politische Spaltungen und humanitäre Krisen an. Ihre Arbeit fordert das Publikum konsequent heraus, sich schwierigen Wahrheiten zu stellen, und fördert den Dialog und das Verständnis durch die Kraft des Geschichtenerzählens. Der Einfluss der Handspring Puppet Company reicht weit über die Bühne hinaus; mit dem Handspring Trust for Puppetry in Education erkannten sie das transformative Potenzial von Kunst innerhalb von Gemeinschaften an. Durch jährliche Puppenparaden und Open-Air-Aufführungen in Barrydale, Südafrika, haben sie junge Menschen dazu befähigt, sich mit kritischen Themen wie Ökologie, Rasse, Geschichte und Theaterproduktion auseinanderzusetzen und so eine neue Generation von Künstlern und Aktivisten zu fördern. Ihre Produktionen sind nicht einfach nur Spektakel; sie sind Einladungen, sich auf einer tieferen Ebene mit der Welt zu verbinden, unsere gemeinsame Menschlichkeit zu erkennen und uns eine gerechtere und mitfühlendere Zukunft vorzustellen. Der kollaborative Geist von Jones und Kohler, gepaart mit ihren innovativen Techniken und ihrer tiefgründigen künstlerischen Vision, hat die Kunst des Puppenspiels für das 21. Jahrhundert neu definiert.