Ein Leben in der Abstraktion: Die Welt von Bernard Cohen
Bernard Cohen, geboren 1933 in London in eine Familie mit tiefen russisch-polnischen jüdischen Wurzeln, gilt als eine Schlüsselfigur in der Landschaft der britischen abstrakten Kunst. Sein über Jahrzehnte reichender Weg ist nicht bloß eine Chronik künstlerischer Evolution, sondern ein Zeugnis für die Macht des Geschichtenerzählens durch reine Form und Farbe. Von seinen frühen Studien am South West Essex Technical College über die prägenden Jahre an der St Martin’s School of Art (1950-51) bis hin zur renommierten Slade School of Fine Art (1 1951-54) schlug Cohen einen Pfad ein, der ihn zu einem der einflussreichsten abstrakten Maler Großbritanniens machen sollte. Die Saat seiner künstlerischen Erkundung wurde in dieser Zeit gesät, genährt durch eine rigorose Ausbildung und eine wachsende Faszination für die Möglichkeiten jenseits der gegenständlichen Kunst. Entscheidend waren die Stipendien, die ihm 1954 sowohl von der französischen Regierung als auch vom Boise Trust gewährt wurden; sie katapultierten Cohen auf eine europäische Odyssee, die es ihm ermöglichte, in die pulsierenden künstlerischen Atmosphären Frankreichs, Spaniens und Italiens einzutauchen – Erfahrungen, die seine ästhetische Vision unauslöschlich prägen sollten.
Frühe Einflüsse und das Erwachen einer einzigartigen Stimme
Die Kunstwelt der Nachkriegszeit befand sich in einem Zustand seismischer Verschiebungen, und Cohen fühlte sich von den Strömungen des Abstrakten Expressionismus und des europäischen Informel angezogen. Dennoch leistete er Widerstand gegen die bloße Imitation und schmiedete stattdessen eine ganz persönliche Sprache. Seine frühen Werke, oft geprägt von energetischen Pinselstrichen und kühnen Farbpaletten, deuteten bereits einen tieferliegenden narrativen Impuls an – das Verlangen, Emotionen und Erfahrungen durch abstrakte Mittel zu vermitteln. Die 1960er Jahre erwiesen sich als ein entscheidendes Jahrzehnt für Cohen. Er begann mit innovativen Techniken zu experimentieren, allen voran dem Spritzverfahren von Farbe, was zu Kompositionen führte, die wie komplexe Anordnungen von „hochfarbigem Spaghetti“ erschienen, wie es ein Kritiker berühmt beschrieb. Gemälde wie
Generation (1972), das in der Retrospektive der Hayward Gallery gezeigt wurde, sind beispielhaft für diese Epoche – dynamische Felder aus verwobenen Linien und Formen, die innere Kräfte und die Welleneffekte von Konsequenzen suggerieren. Dabei ging es nicht nur um äst ästhetische Experimente; Cohen setzte sich mit den fundamentalen Fragen der Malerei selbst auseinander: ihrer Oberfläche, ihren Grenzen und ihrer Fähigkeit, gleichzeitig multiple Bedeutungen zu verkörpern. Er strebte danach, ein „bildnerisches Theater“ zu erschaffen, wie er es selbst ausdrückte, in dem Farbe und Form als Protagonisten eines sich entfaltenden Dramas agieren konnten.
Lehre und fortwährende Exploration
Cohens Engagement erstreckte sich weit über seine eigene Atelierarbeit hinaus; er wurde zu einem engagierten Pädagogen, der verschiedene Lehrpositionen an der Ealing School of Art, dem Wimbledon College of Art und dem Chelsea College of Art & Design innehatte. Im Jahr 1988 erreichte er den Gipfel seiner akademischen Laufbahn mit der Ernennung zum Professor und Direktor der Slade School of Fine Art – ein Amt, das er bis zum Jahr 2000 bekleidete. Diese Zeit erlaubte es ihm, Generationen junger Künstler zu fördern und ein Umfeld des Experimentierens und des kritischen Denkens zu schaffen. Im Laufe der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und weit hinein in das 21. Jahrhundert hinein verfeinerte Cohen kontinuierlich sein abstraktes Vokabular. Seine späteren Werke zeigen oft Galaxien aus farbigen Flecken und Punkten, die vor leuchtenden Hintergründen schweben und so ein Gefühl von Tiefe und ätherischer Schönheit erzeugen. Während die Dichte seiner früheren Kompositionen abnahm, blieben die zugrunde liegende Spannung und die narrative Komplexität bestehen. Er fand nie zu einem einzigen Stil zurück, sondern verschob ständig Grenzen und erkundete neue Möglichkeiten innerhalb der Abstraktion.
Vermächtnis und historische Bedeutung
Der Einfluss von Bernard Cohen auf die britische Kunst ist unbestreitbar. Sein Werk forderte konventionelle Vorstellungen der Malerei heraus, indem es die Ambiguität annahm und die emotionale Resonanz über die wörtliche Darstellung stellte. Er nimmt eine einzigartige Position als Brücke zwischen der Nachkriegsgeneration abstrakter Maler und zeitgenössischen Künstlern ein, die nach neuen Ausdrucksformen suchen. Seine Gemälde befinden sich in zahlreichen angesehenen öffentlichen Sammlungen, darunter dem British Council, der Tate, dem Victoria & Albert Museum und dem MoMA, was sein dauerhaftes Erbe bezeugt.
- Kernmerkmale: Lebendige Farbpaletten, dynamische Kompositionen, innovativer Einsatz von Spritztechniken.
- Einflüsse: Abstrakter Expressionismus, europäischer Informel, ein tiefes Interesse am Geschichtenerzählen und der menschlichen Verfassung.
- Wichtige Errungenschaften: Retrospektive in der Hayward Gallery (197 1972), Spotlight-Ausstellung in der Tate Britain (2017-18), Professor und Direktor der Slade School of Fine Art (1988-2000).
Cohens Kunst handelt nicht einfach nur davon, was man sieht, sondern vielmehr davon,
wie man es sieht – eine Einladung, in einen Dialog mit Form, Farbe und Emotion zu treten. Er bleibt eine vitale Kraft in der Welt der abstrakten Malerei, die Künstler inspiriert und das Publikum mit seiner einzigartigen Vision und seinem unerschütterlichen Bekenntnis zur Macht des bildnerischen Erzählens fesselt. Sein Werk wird weiterhin international ausgestellt, was sicherstellt, dass sein Vermächtnis über Generationen hinweg fortbestehen wird.