Curd Lessig

1924 - 2019

Frühes Leben, Familie und Ausbildung

Am 22. November 1924 kam Curd Lessig in Stuttgart zur Welt. Er wurde in ein Elternhaus hineingeboren, dessen Wurzeln in Würzburg lagen – einer Stadt, die letztlich seine gesamte berufliche Landschaft prägen sollte. Als Zwillingsbruder von Heinz Bruno trat er in eine Welt, in der sich ihre Lebenswege in völlig unterschiedliche Disziplinen verzweigten: Während sein Bruder der Musik huldigte, widmete sich Curd der visuellen Kunst. Diese frühe Differenzierung in ihrer Erziehung legte den Grundstein für ein Leben, das den technischen und ästhetischen Anforderungen der Malerei und des Designs gewidmet war.

Seine formale Ausbildung begann mit einer Phase intensiver Studien. Von 1939 bis 1940 studierte Curd Lessig die Malerei bei Heiner Dikreiter. Diese erste Anleitung vermittelte ihm jene grundlegenden Fertigkeiten, die für eine Karriere unerlässlich waren, die sich später über verschiedenste Medien erstrecken sollte. Dabei verließ er sich nicht allein auf den akademischen Unterricht; er suchte die praktische Anwendung in der direkten handwerklichen Arbeit. Zwischen 1940 und 1942 absolvierte er eine Ausbildung zum Kirchenmaler im Menna-Unternehmen in Würzburg. Diese Arbeitsphase erwies sich als entscheidend: Sie verwurzelte seine künstlerische Entwicklung in den strengen, disziplinierten Traditionen der sakralen Kunst – eine Spezialisierung, die einen Großteil seines späteren Schaffens definieren sollte.

Militärdienst und Kriegserfahrungen

Die Entwicklung von Lessigs frühem Lebensweg wurde durch die unerbittliche Realität des Zweiten Weltkriegs jäh unterbrochen. Im Jahr 1942 wurde er zum Militärdienst eingezogen und diente im 17. Kavallerieregiment in Bamberg. Selbst in dieser Zeit der Mobilmachung blieb seine künstlerische Hand aktiv; er schuf Porträts von Offizieren – eine praktische Anwendung seines sich entwickelnden Könnens inmitten des Chaos des Konflikts.

Der Krieg brachte auch unmittelbare physische Konsequenzen mit sich, als er in der Normandie verwundet wurde. Diese Verletzung fiel mit einer Zeit tiefer Entwurzelung zusammen. Nach den Kämpfen in Frankreich blieb er von 1944 bis zu seiner Entlassung im Jahr 1946 in amerikanischer Gefangenschaft. Diese Jahre der Inhaftierung und das Trauma der Frontlinie bildeten einen schroffen, nicht-ästhetischen Kontrast zu der formalen Ausbildung, die er in Stuttgart und Würzburg begonnen hatte.

Künstlerische Ausbildung und professioneller Werdegang

Der berufliche Werdegang von Curd Lessig war geprägt von einem fundierten akademischen Fundament und dem schnellen Übergang in die künstlerische Unabhängigkeit. Nach seiner frühen Ausbildung widmete er sich in den Jahren zwischen 1948 und 1959 dem Studium der Malerei an der Akademie der Bildenden Künste in München unter der Leitung von Walther Teutsch. Diese Phase der formalen Ausbildung verlieh ihm die technische Disziplin, die für seine späteren, weitreichenderen Aufträge unerlässlich war. Bereits vor dem Abschluss seines Studiums etablierte er sich in der Fachwelt und wurde 1947 Gründungsmitglied des BBK Ober- und Unterfranken in Bamberg.

Seine Karriere zeichnete sich durch eine duale Ausrichtung aus: die schöne Kunst und die sakrale Gestaltung. Als Kirchenmaler und Restaurator für das Unternehmen Menna brachte er sein handwerkliches Geschick in zahlreiche Kirchen in Franken, Hessen und Westfalen ein. Diese praktische, unmittelbare Auseinandersetzung mit religiösen Räumen legte den Grundstein für seine spätere Meisterschaft in der Gestaltung großformatiger Installationen. Bis März 1957 hatte Lessig sein eigenes Atelier eröffnet, was seine vollständige Unabhängigkeit als professioneller Künstler markierte. Dieser Schritt ermöglichte es ihm, ein vielseitiges Portfolio zu pflegen, das sich von der sakralen bis zur weltlichen Kunst erstreckte.

Das enorme Ausmaß seines Schaffens spiegelt sich in seinem Werkverzeichnis wider, das mehr als 400 Arbeiten umfasst. Seine Aufträge beschränkten sich dabei keineswegs nur auf den religiösen Bereich; er übertrug seine künstlerische Vision auf eine Vielzahl öffentlicher und funktionaler Bauwerke. Seine Werke finden sich in so unterschiedlichen Umgebungen wie Militärkasernen und Versammlungshallen wieder, was eine Vielseitigkeit beweist, die weit über die Grenzen der traditionellen Ateliermalerei hinausging. Die Fähigkeit, seine Technik an verschiedenste architektonische Gegebenheiten anzupassen, sicherte ihm eine Präsenz sowohl in gemeinschaftlichen als auch in institutionellen Räumen.

Künstlerische Techniken und Sujets

Das technische Spektrum von Lessig war maßgeblich durch die tiefe Verbundenheit mit der architektonischen Integration geprägt. Er war weit mehr als ein bloßer Maler; er schuf Kunst für den permanenten Raum, indem er Glasmalerei, Mosaike, Wandmalereien und Fresken entwarf. Sein Schaffen bewegte sich dabei in einem faszinierenden Spannungsfeld zwischen der filigranen Präzision der Glaskunst und den monumentalen Anforderungen öffentlicher Aufträge. Diese Vielseitigkeit ermöglichte es ihm, unterschiedlichste Umgebungen zu durchdringen – von kargen Militärkasernen bis hin zu den sakralen, erhabenen Innenräumen von Kirchen. Sein Werk war von enormer Fülle, belegt durch einen Katalog von über 400 Beispielen, die eine disziplinierte Meisterschaft über verschiedenste Medien zeugen.

Seine grafische Arbeit offenbart zudem eine beeindruckende technische Versiertheit in zahlreichen Drucktechniken. Er nutzte den Linolschnitt, die Radierung, die Lithografie und die Serigrafie, um die Welt der Texturen und Schichten zu erkunden. Über diese formalen Drucke hinaus widmete er sich intensiv der Arbeit mit Tusche und Feder sowie farbigen Zeichnungen und Studien mit Bleistift. Diese Studien konzentrierten sich oft auf die Landschaftsmalerei mit Gouache, wobei er topografische Details mit einer Direktheit einfing, die auf unnötige Ornamentik verzichtet. Dabei blieb sein Sujet jedoch nicht auf die Naturwelt beschränkt; so schuf er auch Porträts von Offizieren – eine künstlerische Praxis, die tief in seinen Erfahrungen während der Kriegsjahre verwurzelt war.

Auszeichnungen und späte Jahre

Die späteren Jahrzehnte im Leben von Curd Lessig waren geprägt von einer tiefgreifenden institutionellen Anerkennung in seiner Heimatregion. Bereits im Jahr 1982 wurde er in Italien mit dem Goldenen Zentaur sowie weiteren Preisen ausgezeichnet, was den Beginn einer langen Ära der Würdigung markierte. Diese Resonanz auf sein Schaffen hielt über die 1990er Jahre bis weit in das 21. Jahrhundert hinein an. So wurde ihm 1991 der Kulturpreis der Stadt Würzburg verliehen. Sein kultureller Einfluss in der fränkischen Region blieb unverkennbar, was unter anderem durch die Verleihung des Kulturpreises der Weinbruderschaft Franken im Jahr 2004 unterstrichen wurde. Den krönenden Abschluss seiner öffentlichen Ehrungen bildete im Jahr 2009 die Verleihung des Kulturpreises des Bezirks Unterfranken.

Trotz des hohen Alters blieb seine künstlerische Produktivität bis in seine letzten Lebensjahre hinein bemerkenswert beständig. Curd Lessig blieb ein fester Bestandteil der lokalen Kunstszene, was durch zahlreiche Ausstellungen an bedeutenden Orten wie dem Spitäle Würzburg und dem Museum im Kulturspeicher dokumentiert wurde. Diese Retrospektiven zeugten von einem Lebenswerk, das sich über viele Jahrzehnte erstreckte und eine beeindruckende Vielfalt technischer Meisterschaft vereinte. Curd Lessig verstarb am 23. Mai 2019 in Würzburg.

Fragen & Antworten

Wie kann ich die Entwicklung des Werks von Curd Lessig über die Jahre hinweg verfolgen?

Eine Zeitachse der Werke von Curd Lessig ist verfügbar: Auf der Seite Zeitstrahl der Kunstwerke des Künstlers sind die Kunstwerke nach ihrem Entstehungsdatum sortiert.

Welche Stimmungen drücken die Kunstwerke von Curd Lessig aus?

Auf der Stimmungswelten von Curd Lessig werden die Kunstwerke des Künstlers nach Stimmung sortiert präsentiert.

In welcher Stadt und in welchem Land wurde Curd Lessig geboren?

Curd Lessig wurde in Stuttgart, Deutschland, geboren.

Wo und wann wurde Curd Lessig geboren?

Curd Lessig wurde im Jahr 1924 in Stuttgart geboren.

Selbsttest

Jede Frage hat nur eine richtige Antwort.

Frage 1:
In welcher Stadt wurde Curd Lessig geboren?
Frage 2:
Wo studierte Curd Lessig zwischen 1948 und 1959 Malerei?
Frage 3:
Welche künstlerische Technik wurde NICHT als eine von Lessig in der Druckgrafik verwendete Technik erwähnt?
Frage 4:
In welchem Jahr erhielt Lessig den Kulturpreis der Stadt Würzburg?
Frage 5:
Was davon war ein Thema von Lessigs Arbeit während seines Militärdienstes?