Frank Auerbach: Ein Leben, gemalt in tiefer Emotion
Geboren 1931 in Berlin, wurde das Leben von Frank Auerbach zutiefst von den turbulenten Ereignissen des 20. Jahrhunderts geprägt. Seine frühen Jahre waren von Umbrüchen gezeichnet – als Flüchtling aus dem Nazi-Deutschland kam er als Kind mit seinen Eltern nach England, nur um deren tragischen Tod während des Zweiten Weltkriegs miterleben zu müssen. Diese Erfahrung von Verlust und Entwurzelung wurde zu einem zentralen, unausgesprochenen Thema seiner gesamten produktiven Karriere und verlieh jedem Pinselstrich jene rohe Emotionalität, die sein Werk durchdringt.
Auerbachs künstlerische Reise begann an der St Martin's School of Art in London, wo er unter der Mentorenschaft von David Bomberg wichtige Impulse erhielt, einer Schlüsselfigur der „School of London“. Diese Gruppe, die sich durch die Ablehnung akademischer Formalität und die Hinwendung zum subjektiven Ausdruck auszeichnete, bot einen fruchtbar Boden für Auerbachs Entwicklung. Er verfeinerte seine Fähigkeiten am Royal College of Art, wandte sich jedoch schnell von den vorherrschenden Trends ab, um seinen eigenen, unverwechselbaren Stil zu schmieden – einen Stil, der durch intensiv geschichtete Farbaufträge definiert ist, die oft mit Spachteln und Fingern aufgetragen wurden, um eine taktile, fast skulpturale Oberfläche zu schaffen.
Seine frühen Modelle waren zutiefst persönlich: seine Frau Julia; Juliet Yardley Mills („J.Y.M.“) und später Stella West („E.O.W.“), eine enge Freundin, die als Motiv für viele seiner intimsten Akte und Porträts diente. Diese Figuren wurden nicht mit fotografischer Genauigkeit dargestellt, sondern vielmehr mit Auerbachs eigenem emotionalen Zustand durchdrungen – einem Gefühl von Verletzlichkeit, Einsamkeit und stiller Kontemplation. Er verließ London nur selten und richtete ein Atelier ein, das sein ständiger Begleiter durch sein ganzes Leben blieb – ein Raum, in dem er völlig in den Prozess des Erschaffens eintauchen konnte.
Die Sprache der dicken Farbe
Auerbachs Technik ist sofort erkennbar. Er verzichtete auf traditionelle Verblendungsmethoden und baute stattdessen Schicht um Schicht von Farbe auf – oft unter Verwendung eines dicken Impasto, das die Oberfläche seiner Leinwände dominiert. Diese Physis ist nicht bloß dekorativ; sie ist integraler Bestandteil der expressiven Kraft seines Werkes. Die Grate und Erhebungen der Farbe scheinen vor Emotionen zu vibrieren und vermitteln ein Gefühl von Dringlichkeit und Unmittelbarkeit.
Kritiker hatten anfangs Schwierigkeiten, Auerbachs Kunst einzuordnen. Einige taten sie als „Skulptur“ ab, wobei sie auf das enorme Volumen der aufgetragenen Farbe verwiesen, während andere darin eine Abkehr von der konventionellen Malerei sahen. Dennoch erkannten Persönlichkeiten wie David Sylvester die tiefgreifende psychologische Wirkung an und argumentierten, dass dies trotz der offensichtlichen Dichte unbestreitbar Gemälde seien – „malerische Bilder, keine skulpturalen“, die eine tief empfundene emotionale Landschaft einfangen.
Seine Verwendung von Farbe ist ebenso bedeutsam. Auerbach bevorzugte dunkle, gedämpfte Töne – Brauntöne, Ocker und Schwarz –, die oft von Lichtblicken in Rot oder Gelb unterbrochen wurden. Diese Farben dienen nicht der Erstellung realistischer Darstellungen, sondern sollen Stimmung und Atmosphäre evozieren und tragen so zum allgemeinen Gefühl der Introspektion bei.
Die School of London und darüber hinaus
Auerbach war ein Schlüsselmitglied der „School of London“, einer Gruppe britischer Künstler, die in der Nachkriegsära hervorging. Zusammen mit Figuren wie Leon Kossoff und Roger Hilton lehnten sie die dominierenden Strömungen der europäischen Moderne ab und entwickelten einen ausgeprägt englischen Stil – charakterisiert durch den Fokus auf urbane Landschaften, Motive der Arbeiterklasse und intensiven persönlichen Ausdruck.
Seine Arbeit erlangte Anerkennung durch Ausstellungen in der Beaux-Arts Gallery und später in der Marlborough Gallery. Eine Retrospektive in der Hayward Gallery im Jahr 1978 festigte seinen Platz als einer der bedeutendsten britischen Maler der Nachkriegszeit. Auerbachs Einfluss reicht weit über die School of London hinaus; Künstler wie Bridget Riley erkennen seinen Einfluss auf ihre eigene Entwicklung an.
Vermächtnis und beständige Emotion
Frank Auerbach starb 2016 im Alter von 84 Jahren und hinterließ ein gewaltiges Werk, das in den Betrachtern weiterhin nachhallt. Seine Gemälde sind nicht bloß Darstellungen von Figuren oder Landschaften; sie sind Fenster zur Seele des Künstlers – ein Zeugnis für die Macht der Kunst, tiefe menschliche Emotionen auszudrücken.
Sein Vermächtnis liegt in seiner kompromisslosen Hingabe zum persönlichen Ausdruck, seinem innovativen Umgang mit Farbe und seiner Fähigkeit, Werke zu schaffen, die sowohl zutiefst intim als auch universell nachvollziehbar sind. Auerbachs Gemälde bleiben eine kraftvolle Erinnerung an die dauerhafte Fähigkeit der Kunst, schwierigen Wahrheiten zu begegnen und die Komplexität der menschlichen Erfahrung zu beleuchten.
