Eine Welt, gewebt in der Stille: Die immersiven Installationen von Susanne S. D. Themlitz
Susanne S. D. Themlitz, geboren 1968 in Lissabon, ist eine Künstlerin, deren Werk die Grenzen traditioneller Medien überschreitet und tief evokative, immersive Installationen schafft, die mit einer stillen Kraft nachhallen. Ihr Weg als Künstlerin war eine Reise der kontinuierlichen Erkundung, geprägt von ihren portugiesischen Wurzeln und genährt durch formative Studien sowohl in Portugal als auch in Deutschland. Von 1987 bis 1993 verfeinerte sie ihre Fähigkeiten am Ar.Co – Centro de Arte e Comunicação Visual in Lissabon, eine Zeit, die durch ein entscheidendes Jahr am Royal College of Art in London unterbrochen wurde. Diese internationale Erfahrung erweiterte ihren künstlerischen Horizont, bevor sie 1995 mit einem Stipendium der Calouste Gulbenkian Foundation einen Master in Bildender Kunst an der renommierten Kunstakademie Düsseldorf absolvierte. In diesen Jahren begann Themlitz, die einzigartige visuelle Sprache zu entwickeln, für die sie heute gefeiert wird – eine Synthese aus Zeichnung, Skulptur, Fotografie, Video und Klang, die allesamt zu komplexen Mikrokosmen verwoben sind, die zur Kontemplation einladen und die Wahrnehmung herausfordern.
Die Alchemie der Materialien: Eine persönliche visuelle Sprache
Das Werk von Themlitz lässt sich nicht einfach kategorisieren; es widersetzt sich klaren Etiketten. Sie hält sich nicht an ein einziges Medium, sondern pflegt vielmehr eine Fluidität des Ansatzes, bei der das Konzept die Form diktiert. Ihre Installationen entspringen einer Faszination für die immanenten Qualitäten der Materialien – die Textur von Stein, die Zerbrechlichkeit von Papier, die Resonanz des Klangs. Diese Elemente sind nicht bloß Bestandteile; sie werden zu aktiven Teilnehmern ihrer Erzählungen, durchdrungen von Symbolik und Geschichte. Oft integriert sie Fundobjekte – Überreste des Alltags, Fragmente der Erinnerung – und transformiert sie in etwas Neues und Unerwartetes. Dieser Prozess der Rekontextualisierung ist zentral für ihre künstlerische Vision und legt nahe, dass Bedeutung nicht inhärent ist, sondern durch Interaktion und Interpretation konstruiert wird. Die Künstlerin selbst beschreibt eine Suche nach dem „Unsichtbaren“, ein Verlangen, die verborgenen Geschichten aufzudecken, die im Alltäglichen eingebettet sind. Ihr Werk bezieht sich häufig auf Literatur, Kino, Mythologie und Science-Fiction und schafft so Schichten von Anspielungen, die das Seherlebnis bereichern.
Einflüsse und künstlerische Entwicklung
Während sie ihren eigenen, unverwechselbaren Pfad beschreitet, erkennt Themlitz den Einfluss mehrerer Schlüsselfiguren der zeitgenössischen Kunst an. Künstler wie Sigmar Polke mit seiner spielerischen Dekonstruktion von Bildsprache, Thomas Schütte, bekannt für seine rätselhaften Skulpturen, und Juan Muñoz, gefeiert für seine atmosphärischen Installationen, haben ihre künstlerische Sensibilität tief berührt. Wie diese Vorgänger verzichtet Themlitz auf formale Starrheit und setzt stattdessen auf Ambivalenz und Offenheit in ihrem Werk. Ihre frühen Ausstellungen in Portugal, kuratiert von Luis Serpa, etablierten sie als eine eindringliche Stimme innerhalb der nationalen Kunstszene. Im Laufe der Zeit entwickelte sie die einzigartige Fähigkeit, kulturelle Elemente zu verschmelzen – Fragmentierung neben Synthese, Landschaft mit Introspektion, Chaos im Gleichgewicht mit Ordnung – und so eine visuelle Sprache zu erschaffen, die sowohl zutiefst persönlich als auch universell resonant ist. Ihre Arbeit entwickelte sich von kleinteiligen Erkundungen hin zu expansiven Installationen, die ganze Räume transformieren und den Betrachter in ihre sorgfältig konstruierten Welten einhüllen.
Ausstellungen und institutionelle Anerkennung
Susanne S. D. Themlitz hat umfassend in Portugal, Deutschland, Spanien und Frankreich ausgestellt und ihren Ruf als bedeutende zeitgenössische Künstlerin gefestigt. Zu ihren Einzelausstellungen gehören „Poemas“ in der Galeria Ángeles Baños (Badajoz, 2023), „Dentro“ in der Galeria Vera Cortês (Lissabon, 2022) und „Transformatório. Themlitz & Companhia“ im Arquipélago Centro de Artes Contemporâneas (Azoren, 2022). Ihr Werk war zudem Teil zahlreicher Gruppenausstellungen in Institutionen wie dem Museu do Oriente (Lissabon, 2017) und der Calouprim Foundation (Lissabon, 2012), was ihr beständiges Engagement innerhalb der breiteren Kunstgemeinschaft belegt. Ihre jüngste Ausstellung „El lenguaje de las cosas mudas“ im MARCO in Vigo verdeutlicht ihre Fähigkeit, Museumsräume in immersive Umgebungen zu verwandeln, die einen Dialog zwischen Kunstwerk, Architektur und Publikum einladen.
Ein Vermächtnis stiller Theatralik
Das Werk von Susanne S. D. Themlitz nimmt einen einzigartigen Raum innerhalb der zeitgenössischen Kunst ein – ein Reich, in dem die Grenzen zwischen den Disziplinen verschwimmen und die Macht der Suggestion regiert. Ihre Installationen sind nicht bloß Objekte, die betrachtet werden, sondern Umgebungen, die erfahren werden wollen; sie laden die Betrachter ein, zu aktiven Teilnehmern ihrer Erzählungen zu werden. Ihre Skulpturen und Gemälde öffnen sich hin zu Parallelwelten, in denen häusliche oder industrielle Objekte transformiert und mit natürlichen Elementen kombiniert werden, wodurch mutierte, introspektive Wesen entstehen, die überraschend plausibel wirken. Das Werk der Künstlerin befindet sich in zahlreichen öffentlichen und privaten Sammlungen, darunter die Calouste Gulbenkian Foundation, das Serralves Museum und das Museo Extremeño e Iberoamericano de Arte Contemporáneo, was ihren bleibenden Einfluss auf die Kunstwelt sichert. Sie lebt und arbeitet weiterhin zwischen Lissabon und Köln, verfeinert ständig ihre visuelle Sprache und verschiebt die Grenzen der Installationskunst, um ein Vermächtnis zu hinterlassen, das durch stille Theatralik und tiefe emotionale Resonanz definiert ist.