Frühes Leben und Ausbildung
- Thomas Struth wurde am 11. Oktober 1954 in Geldern, Deutschland, geboren.
- Seine Eltern waren Gisela Struth (eine Keramikbäckerin) und Heinrich Struth (Bankdirektor).
- Von 1973 bis 1980 studierte er an der Kunstakademie Düsseldorf.
- Anfänglich konzentrierte er sich auf die Malerei unter Peter Kleemann und später, ab 1974, unter Gerhard Richter.
- Er fühlte sich zunehmend zur Fotografie hingezogen. Mit Richters Unterstützung trat Struth 1976 zusammen mit Candida Höfer, Axel Hütte und Roswitha Ronkholz der neu gegründeten Klasse für Fotografie von Bernd und Hilla Becher bei. Dies markierte eine entscheidende Wendung in seiner künstlerischen Richtung.
Frühe Werke: Düsseldorfer Straßen und Stadtlandschaften
- 1976 präsentierte er auf einer Studentenausstellung ein Raster aus 49 Fotografien, die von einem zentralen Standpunkt auf verlassenen Straßen in Düsseldorf aufgenommen wurden. Diese Bilder hielten sich an eine strenge Logik der Mittelsymmetrie.
- Diese frühen Werke waren durch ihre neutrale Behandlung der Szenen gekennzeichnet, wobei starke Kontraste vermieden und das graue Licht des frühen Morgens genutzt wurde.
- 1977 arbeitete er mit Axel Hütte zusammen, um Wohnungen in East London, England, zu fotografieren.
- Er war 1978 der erste Künstler-in-Residence am P.S. 1 Studios, Long Island City.
- Seine anschließenden Reisen führten zu ähnlichen Serien, die Stadtlandschaften in Paris (1979), Rom (1984), Edinburgh (1985) und Tokio (1986) dokumentierten. Diese frühen Werke bestanden hauptsächlich aus Schwarz-Weiß-Aufnahmen und zeigten oft Wolkenkratzer und erkundeten das Verhältnis zwischen Menschen und ihrer modernen Umgebung.
Entwicklung: Familienporträts und Museumsfotografien
- In den 1980er Jahren begann Struth, nach einem Treffen mit dem Psychoanalytiker Ingo Hartmann, sowohl in Farbe als auch in Schwarz-Weiß Familienporträts zu erstellen. Diese Werke zielten darauf ab, zugrunde liegende soziale Dynamiken innerhalb scheinbar statischer Fotografien aufzudecken.
- Ab 1989 begann er seine bekannteste Serie, die *Museumsaufnahmen*. Diese Zyklus dokumentierte Besucher, die Kunstwerke in renommierten Museen auf der ganzen Welt betrachten, darunter das Art Institute of Chicago, das Musée du Louvre und die Accademia in Venedig.
- Er erweiterte diese Praxis auch um Fotografien von Besuchern in Kirchen.
- Ab 1998 umfasste die Serie auch säkulare Stätten von Bedeutung wie Times Square und den Yosemite Nationalpark.
- Die *Pergamonmuseum*-Serie (1996-2001) konzentrierte sich ausschließlich auf dieses Berliner Museum und fing Besucher ein, die mit klassischen Antiquitäten interagieren. Struth verwendete zunächst spontane Aufnahmen, inszenierte aber in späteren Fotografien die Positionierung der Teilnehmer.
- Seine *Museo del Prado*-Serie (2005) zeigte Betrachter um Velázquez's *Las Meninas* und betonte die aktive Rolle des Zuschauers bei der Interpretation von Kunst.
Spätere Werke: Paradies, Gruppierungen und Technologische Landschaften
- Ab 1998 erforschte Struth Dschungelsettings in Japan, Australien, China, Amerika und Europa und schuf großformatige Fotografien aus der *Paradies*-Serie.
- Zwischen 1995 und 2003 produzierte er eine Reihe von Fotografien, die Gruppen von Menschen an markanten Orten zeigen, sei es als Touristen oder Pilger.
- Ab 2010 verlagerte sich seine Arbeit auf die Dokumentation der strukturellen Feinheiten entlegener techno-industrieller und wissenschaftlicher Forschungsräume wie Physikinstitute, Pharmazeutika, Raumstationen und Kernkraftanlagen.
- 2014 präsentierte er eine Serie mit Panoramablicken auf Disneyland und Disney California Adventure und untersuchte veränderte Perspektiven in diesen Themenparks.
- Sein jüngstes Werk, *Tiere* (2017-2018), dokumentierte Forscher am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin bei der Untersuchung der Artenvielfalt und des Naturschutzes.
Einfluss und Bedeutung
- Struth ist eine Schlüsselfigur der Düsseldorfer Fotografieschule, neben Künstlern wie Candida Höfer, Axel Hütte und Andreas Gursky.
- Seine Arbeit baut auf dem Erbe von Bernd und Hilla Bechers systematischer Dokumentation industrieller Strukturen auf.
- Struths *Museumsaufnahmen* sind besonders bedeutsam für ihre Erkundung der Wahrnehmung, sozialen Dynamiken und der Rolle des Betrachters bei der Vollendung eines Kunstwerks. Sie heben hervor, wie Betrachter die Vergangenheit aktiv interpretieren und re-interpretieren durch das Engagement mit kulturellen Artefakten.
- Seine großformatigen Fotografien laden zur Kontemplation über Themen wie Moderne, Technologie und das Verhältnis des Menschen zu seiner Umwelt ein.
