Frühes Leben, Familie und Ausbildung
Bernhard Schultze wurde am 31. Mai 1915 in Schneidemühl geboren, dem heutigen Piła in Polen. Seine prägenden Jahre wurden durch einen bedeutenden Umzug nach Berlin im Jahr 1921 maßgeblich beeinflusst. Dieser Ortswechsel platzierte ihn inmitten einer sich wandelnden europäischen Landschaft, wenngleich sein frühes schöpferisches Schaffen durch die Geschichte weitgehend ausgelöscht wurde. Ein Luftangriff auf Berlin im Jahr 1945 zerstörte die Werke, die er vor dieser Zeit geschaffen hatte, und hinterließ eine Leere in seinem frühen professionellen Werdegang.
Seine formale Ausbildung war streng und konzentrierte sich auf die bedeutenden Zentren der deutschen Kunst. Zwischen 1934 und 1939 studierte Schultze an der Hochschule für Bildende Künste in Berlin sowie an der Kunstakademie in Düsseldorf. Diese Studienjahre legten das technische Fundament, das er später durch die Abstraktion wieder aufbrechen sollte. Sein Privatleben verflocht sich am 7. Juli 1955 mit der Kunstwelt, als er die Malerin Ursula Bluhm heiratete.
Künstlerische Bewegungen und Gruppierungen
Als einer der führenden Vertreter der gestischen Abstraktion in Europa sprengte Bernhard Schultze die repräsentativen Fesseln, die seine frühe Ausbildung geprägt hatten, und bewegte sich weit über sie hinaus. Sein tiefes Engagement für den unbewusst gesteuerten kreativen Prozess stellte ihn in die Reihe der internationalen Strömungen des Action Paintings und des Tachismus. Dabei handelte es sich nicht um bloße stilistische Entscheidungen, sondern um einen notwendigen Bruch mit den starren Konventionen der Vergangenheit. Indem er diese Methoden annahm, half er dabei, sich als einer der Väter der Art Informel in Deutschland zu etablieren.
Seine gemeinschaftlichen Bestrebungen waren von zentraler Bedeutung für die Entwicklung der deutschen Nachkriegsabstraktion. Im Jahr 1952 gründete er gemeinsam mit Karl Otto Götz und anderen Künstlern die Quadriga-Gruppe – ein Schritt, der einen entscheidenden Wandel hin zum non-figurativen Ausdruck signalisierte. Diese Phase intensiver Experimentierfreudigkeit setzte sich fort, als er 1955 der Zen 49 beitrat. Durch diese Gruppierungen half Schultze dabei, eine neue visuelle Sprache zu definieren, die Spontaneität und den physischen Akt des Schöpfens über die statische Komposition stellte.
Technik und künstlerischer Stil
Die visuelle Sprache von Bernhard Schultze ist geprägt von einer rastlosen, gestischen Abstraktion. Er nutzte unbewusst gesteuerte kreative Prozesse und schöpfte seine Inspiration direkt aus dem surrealistischen écriture automatique, um die Fesseln der traditionellen Komposition zu sprengen. Dieser Ansatz brachte Werke hervor, in denen brillante, fluoreszierende Farben in eine angedeutete Repräsentation übergehen und wieder daraus hervortreten. Seine Oberflächen sind selten flach; vielmehr fungieren sie als topografische Landschaften, in denen Farbe und Form unaufhörlich kollidieren. Bereits um 1956 begann er, die Oberfläche seiner Gemälde zu Hochreliefs auszuarbeiten, und bewegte sich damit von der zweidimensionalen Ebene weg hin zu einer haptischen, skulpturalen Realität.
Diese Evolution fand ihren Höhepunkt in der Entwicklung seiner Migofs. Bei diesen Werken handelt es sich nicht bloß um Gemälde, sondern um komplexe Assemblagen, Reliefbilder und raumfüllende Skulpturen, die den physischen Raum beanspruchen. Sie wirken wie hybride Wesen, die tierische, pflanzliche und menschliche Bildwelten zu seltsamen, organischen Strukturen verschmelzen. Diese Formen scheinen sich oft in einem Zustand des ständigen Flusses zu befinden, was die biologischen und kosmischen Systeme widerspiegelt, die er darzustellen suchte. Seine Technik betont dabei das Spannungsfeld zwischen Wachstum und Verfall, wobei er Texturen einsetzt, um die chaotischen, unregelmäßigen Prozesse der natürlichen Welt zu simulieren.
Hauptwerke und künstlerische Epochen
Die künstlerische Entwicklung von Bernhard Schultze ist geprägt von einer stetigen Abkehr von der flachen Bildebene. Während seiner Zeit in Frankfurt entwickelte er Reliefbilder, die als tabuskris bekannt wurden, wobei er kollierte Alltagsgegenstände nutzte, um die traditionellen Grenzen der Leinwand zu sprengen. Dieses Experimentieren mit physischer Tiefe ebnete den Weg für die Entstehung seiner Migofs ab 1961. Diese Werke begannen als Erweiterungen der Leinwand oder als Arbeiten auf Papier und reiften schließlich zu freistehenden, den Raum füllenden Skulpturen und Installationen heran. Bis 1965 integrierte er sogar Mannequins in diese freistehenden Farbskulpturen und überführte die organische, hybride Bildsprache seiner Migofs in einen noch greifbareren, dreidimensionalen Raum.
Seine späteren Jahrzehnte offenbaren einen disziplinierten Wandel in der Farbpalette und der Oberflächenbeschaffenheit. Die 1970er Jahre waren durch seine Grisaille-Bilder definiert, die einen scharfen Kontrast zu den Hochrelief-Texturen seiner früheren Jahre darstellten. Darauf folgte eine Phase in den 1980er Jahren, in der er gesättigte Farben mit Oberflächen kombinierte, die darauf ausgelegt waren, einen tiefen, skulpturalen Raum zu erzeugen. Selbst in seinem letzten Jahrzehnt bewahrte der Künstler eine unverwechselbare Formensprache und schuf in den 1990er Jahren Aquarelle in Pastelltönen. Sein Schaffen blieb dabei überaus vielfältig und reichte von großformatigen Ölgemälden und Zeichnungen im Jahr 1974 bis hin zu den komplexen, vielschichtigen Assemblagen, die seine mittlere Schaffensphase prägten.
- Endymion (1955)
- Neelt (1958)
- Still Within Society (1964)
- Grotesque Promenade (1964)
- Body Cascades (1973)
Wo man seine Werke heute erleben kann
Die Präsenz von Bernhard Schultze in bedeutenden institutionellen Sammlungen unterstreicht seine herausragende Stellung innerhalb der europäischen Landschaft der Nachkriegszeit. In Deutschland ist sein Schaffen an mehreren Schlüsselorten tief verwurzelt. So beherbergt das Museum Ludwig in Köln einen bedeutenden Teil seines Nachlasses, während das Museum Kunstpalast in Düsseldorf und die Pinakothek der Moderne in München seine Werke in ihren ständigen Sammlungen bewahren. Sein künstlerischer Einfluss reicht zudem bis zum Arp Museum Bahnhof Rolandseck in Remagen und zum ZKM | Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe. Diese Sammlungen bewahren die physische Realität seiner Reliefbilder und Skulpturen und stellen sicher, dass seine materiellen Experimente für all jene, die die Evolution der deutschen Abstraktion untersuchen, greifbar bleiben.
Eine internationale Sichtbarkeit seines Werkes wird durch hochkarätige Museen außerhalb Deutschlands gewährleistet. Sowohl das Tate Museum in London als auch das Museum of Modern Art in New York führen seine Arbeiten in ihren Beständen, was seine gestische Abstraktion in einen globalen Kontext rückt. In Deutschland sind seine Gemälde zudem Teil der Sammlung der Villa Hammerschmidt in Bonn. Diese Institutionen bieten den notwendigen Raum, um seine großformatigen, komplexen Kompositionen in der für sie vorgesehenen Umgebung zu betrachten.
- Endymion, um 1955 – Städel Museum, Frankfurt
- Neelt, um 1958 – Staatliche Kunsthalle Karlsruhe, Karlsruhe
- Still Within Society, um 1964 – Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
- Grotesque Promenade, um 1964 – Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
- Body Cascades, um 1973 – Bayerische Staatsgemäldesammlungen, München
Späte Jahre und Tod
Von 1968 bis zu seinem Tod blieb Schultze eine feste Größe in der Kölner Kulturlandschaft. Er und seine Ehefrau, die Malerin Ursula Bluhm, waren zentrale Gestalten des künstlerischen Lebens dieser Stadt. Nach ihrem Tod im Jahr 1999 setzte er sein Schaffen in Köln fort, bis er dort am 14. April 2005 verstarb.
Seine Präsenz in der Stadt war weit mehr als nur ein Wohnsitz; er war eine prägende Figur in ihrem kulturellen Gefüge. Sein langjähriges Engagement für die Region stellte sicher, dass sein Einfluss fest in der Nachkriegszeit der deutschen Kunst verankert blieb. Er verstarb in Köln und hinterließ ein Lebenswerk, das bis heute in bedeutenden internationalen Sammlungen zu finden ist.
Fragen & Antworten
Wo finde ich Statistiken zu den Werken von Bernhard Schultze?
Die Seite Statistiken von Bernhard Schultze zeigt Statistiken, die auf Basis der auf diese Webseite gelisteten Kunstwerke des Künstlers berechnet wurden.
Welche Farben hat Bernhard Schultze am häufigsten verwendet?
Das Farbprofil der Werke von Bernhard Schultze finden Sie auf der Farbpalette des Künstlers-Seite des Künstlers.
Wo kann ich alle Kunstwerke von Bernhard Schultze entdecken?
Alle Werke von Bernhard Schultze auf diese Webseite können auf der Alle Kunstwerke-Seite des Künstlers durchstöbert werden.
