Die Geschichte des Pergamonmuseums
Das Pergamonmuseum ist ein denkmalgeschütztes Bauwerk, das auf der Museumsinsel im historischen Zentrum von Berlin, Deutschland, thront. Seine Ursprünge reichen bis in das frühe 20. Jahrhundert zurück, als der Bau im Jahr 1910 auf Befehl von Kaiser Wilhelm II. begann. Das Gebäude wurde 1930 fertiggestellt, was die formelle Gründung des Museums markierte. Über Jahrzehnte hinweg diente es als zentraler Ort für die Erforschung antiker Zivilisationen und beherbergte monumentale Strukturen und Artefakte in seinen gewaltigen Hallen.
Die Mitte des 20. Jahrhunderts brachte jedoch tiefe Erschütterungen für die Institution. Während der Luftangriffe auf Berlin am Ende des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude schwer beschädigt. Im Jahr 1945 sicherte die Rote Armee alle unbewachten Museumsstücke. Diese Ära der Konflikte und die darauffolgende Besatzungszeit führten zu einer fragmentierten Sammlung; bedeutende Teile der Bestände befinden sich noch heute in Russland.
Das Museum hat diesen Wandel der politischen und physischen Landschaften überdauert. Seine Geschichte ist eine Erzählung des Überlebens und der komplexen Bewegung von Kulturgütern über Grenzen hinweg. Während ein Großteil der Sammlung zurückgegeben oder stabilisiert wurde, bleibt die Präsenz dieser Artefakte in anderen Nationen ein fester Bestandteil seiner fortlaufenden Geschichte.
Die Architektur des Gebäudes
Das Bauwerk ist ein kühnes Beispiel des Stripped Classicism, ein Entwurf, der Klarheit und monumentale Dimensionen in den Vordergrund stellt. Entworfen von Alfred Messel und Ludwig Hoffmann, wurde das Gebäude zwischen 1910 und 1930 vollendet. Seine Präsenz auf der Museumsinsel zeugt von der bewussten Absicht, einen Raum zu schaffen, der der gewaltigen Größe der darin untergebrachten antiken Funde gerecht wird. Die Architektur ist dabei weit mehr als nur ein Gehäuse für die Geschichte; sie schafft eine ganz spezifische Umgebung, die es ermöglicht, monumentale Artefakte in ihrem ursprünglichen, intendierten Kontext zu präsentieren.
Das Design spiegelt ein tiefes Verständnis archäologischer Prinzipien wider. Die weitläufigen Hallen sind so angeordnet, dass sie der immensen Größe der Exponate, wie dem Ishtar-Tor und dem Pergamonaltar, Raum bieten. Innerhalb der räumlichen Anordnung werden Licht und Schatten gezielt eingesetzt, um die Wirkung jedes einzelnen Objekts zu verstärken. Dieser architektonische Ansatz stellt sicher, dass die physische Umgebung in einem ständigen Dialog mit den ausgestellten antiken Materialien bleibt. Im Jahr 1999 wurde das Gebäude in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen, was seine herausragende Bedeutung innerhalb des größeren Ensembles der Museumsinsel würdigt.
Die drei großen Sammlungen
Das Pergamonmuseum beherbergt drei ganz unterschiedliche Sammlungen, die seinen einzigartigen Charakter erst vollends definieren. Die Antikensammlung gilt als eine der bedeutendsten weltweit, wenn es um griechische und römische Kunst geht. Sie nimmt einen zentralen Platz in der Erforschung der klassischen Antike ein und ermöglicht eine unmittelbare Begegnung mit der Bildhauerei und der materiellen Kultur des Mittelmeerraums. Die Präsenz dieser Werke lädt zu einer stillen Kontemplation jener Formen ein, die die ästhetischen Traditionen des Abendlandes über Jahrtausende hinweg geprägt haben.
Das Vorderasiatische Museum hingegen widmet sich einem gewaltigen Zeitraum von 6.000 Jahren Geschichte. Seine Schätze stammen aus Mesopotamien, Syrien und Anatolien und vereinen Artefakte, die die Entstehung der ersten Hochkulturen nachzeichnen. Die Sammlung legt den Fokus auf die materiellen Zeugnisse dieser antiken Gesellschaften – von monumentalen architektonischen Fragmenten bis hin zu kleinen, intimen Objekten des täglichen Gebrauchs. Das Ausmaß dieser Funde spiegelt die enorme Komplexität der Kulturen wider, die einst im Nahen Osten blühten.
Das Museum für Islamische Kunst präsentiert kunstvolle Dekorationen und archäologische Fundstücke, die einen Bogen vom 7. bis zum 19. Jahrhundert spannen. Diese Sammlung unterstreicht die hoch entwickelte Handwerkskunst und die ästhetischen Prinzipien der islamischen Welt. Die ausgestellten Objekte offenbaren die feinen Details des religiösen und weltlichen Lebens über viele Jahrhunderte hinweg. Zu den bemerkenswerten Stücken, die in den verschiedenen Abteilungen des Museums zu finden sind, gehören:
- Aleppo Room, etwa 1603
- Mshatta-Fassade, ca. 740
Meisterwerke der Sammlung
Der Pergamonaltar, ein kolossales Kunstwerk aus dem Pergamon des 2. Jahrhunderts v. Chr., beherrscht den Raum mit seinem detailreichen Relief-Fries. Dieses Werk aus Marmor stellt den gewaltigen Kampf zwischen den olympischen Göttern und den Giganten dar und fängt eine kosmische Schlacht in erstarrter, muskulöser Dynamik ein. In unmittelbarer Nähe präsentieren das Ishtar-Tor und der Prozessionsweg von Babylon aus dem 6. Jahrhundert v. Chr. eine ganz andere Dimension der Pracht. Die glasierten blauen Ziegel, geschmückt mit Darstellungen von Löwen, Drachen und Stieren, lassen die Atmosphäre einer antiken mesopotamischen Prachtstraße wiederaufleben.
Die römische architektonische Präzision offenbart sich eindrucksvoll am Markttor von Milet, das um 100 n. Chr. entstand. Seine hoch aufragenden Säulen und korinthischen Kapitelle spiegeln die urbane Entwicklung und den regen Handel der mediterranen Welt wider. Im Kontrast dazu bietet die Mshatta-Fassade, die etwa aus dem Jahr 740 stammt, eine Studie in verfeinerter Stuckarbeit und pflanzlichen Motiven, die so charakteristisch für die Kunst der Umayyaden sind. Diese Bauwerke schaffen eine greifbare Verbindung zu den vielfältigen Zivilisationen, die einst in dieser Region florierten.
Jenseits dieser monumentalen Rekonstruktionen birgt die Sammlung auch kleinere, aber höchst bedeutsame Fragmente der Menschheitsgeschichte. Das Meissner-Fragment aus dem Gilgamesch-Epos gewährt einen seltenen Einblick in die frühesten schriftlichen Dokumente, die der Menschheit bekannt sind. Diese Objekte, die von massiven architektonischen Elementen bis hin zu zarten Tontafeln reichen, laden zu einer stillen Kontemplation über die Kontinuität des menschlichen Ausdrucks ein.
- Aleppo-Zimmer, um 1603
- Qajar #2, 1998
- Heiliges Babylon von Nebukadnezar, 1931
- Anis al-Dowleh, 1860
- Nil Nil #5, 2008
- Altarbesucher, 2012
Aktuelle Projekte und Renovierungen
Das Pergamonmuseum befindet sich derzeit in einer Phase umfassender Renovierungen, die darauf abzielen, seine monumentalen Bauwerke und kostbaren Sammlungen für die Ewigkeit zu bewahren. Dieses bedeutende Unterfangen wird voraussichtlich bis in die Jahre 2037-2043 andauern. Während die Arbeiten in ihrem vollen Umfang noch in vollem Gange sind, wird erwartet, dass der Nordflügel bereits im Jahr 2027 wieder seine Pforten öffnet. Ein entscheidender Meilenstein ist für den 4. Juni 2027 geplant, wenn die Institution weitgehend wieder für die Öffentlichkeit zugänglich sein wird.
Inmitten dieser Zeit des Wandels hat das Museum intensiv daran gearbeitet, die Verbindung zu seinen Besuchern aufrechtzuerhalten. Die Initiative „Pergamonmuseum. Das Panorama“ bietet dabei ein immersives Erlebnis, das die Atmosphäre des Pergamonaltars und seiner Umgebung durch ein 360-Grad-Panorama eindrucksvoll nachbildet. Dies ermöglicht es, die gewaltige Dimension der antiken Friese weiterhin zu erleben, selbst während die physischen Hallen noch im Umbau begriffen sind. Dieses Engagement für Innovation stellt sicher, dass die architektonische Pracht und die darin verborgenen Schätze auch für kommende Generationen erlebbar bleiben.
