Stil: Art;
Ort: Havana
geboren: 1948
Tod: 1985
Biographie:
Ana Maria Mendieta war eine kubanisch-amerikanische Künstlerin. In ihrer dreizehn Jahre umfassenden künstlerischen Karriere arbeitete sie mit Performance, Land Art, Konzeptkunst, Fotografie und Film. Im Alter von elf Jahren wurde Mendieta als Tochter aus einer regimekritischen Familie von Kuba nach Iowa geschickt, wo sie 1972 ihr künstlerisches Schaffen begann. In den folgenden Jahren arbeitete sie nicht nur mit den verschiedenen Medien, sondern auch zwischen den Kulturen: Neben Nordamerika verwirklichte sie künstlerische Projekte in Zentralamerika, der Karibik und Europa.
In ihren Werken beschäftigte Mendieta sich unter anderem mit dem menschlichen Körper, Sexualität und Fragen der Identität, wobei sie oft mit Blut sowie mit natürlichen Materialien und Feuer in der Landschaft arbeitete. Ihre Performances in der Landschaft beschrieb sie mit dem Begriff earth-body work. Einige ihrer Kunstwerke gelten als Ikonen der Kunst der 1970er-Jahre und der lateinamerikanischen Kunst der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Auch wenn Mendieta selbst sich kategorialen Zuschreibungen wie lateinamerikanisch und feministisch entzog und sich als transkulturelle und transmedial arbeitende Künstlerin verstand, wird sie als bedeutende feministische Künstlerin rezipiert.
Mendieta starb 1985 unter ungeklärten Umständen nach einem Sturz aus dem 34. Stockwerk. Ihr Ehemann Carl Andre wurde in einem Mordprozess 1988 aufgrund begründeter Zweifel freigesprochen. Der Tod Mendietas und ihre periphere Position im Kanon im Gegensatz zum Erfolg Andres blieben Gegenstand von Protesten und Kritik an den Institutionen der Kunstwelt.
Ana Mendieta wurde am 18. November 1948 in Havanna geboren. Sie entstammte einer prominenten Familie der kubanischen Politik und Gesellschaft. Ihr Vater, Ignacio Mendieta, war ein anfänglicher Unterstützer von Fidel Castro und dessen kubanischen Revolution, entwickelte sich jedoch zu deren Gegner, als er aufgefordert wurde, seinen katholischen Glauben aufzugeben und der kommunistischen Partei beizutreten. Als er herausfand, dass seine beiden Töchter, die elfjährige Ana und die fünfzehnjährige Raquelín, sich an heimlichen Aktionen gegen das Regime beteiligten, schickte er diese am 11. September 1961 unterstützt von der Operation Pedro Pan des Erzbistums Miami in die USA. Durch die Vermittlung dieses katholischen Wohltätigkeits-Netzwerkes wurden die Schwestern drei Wochen später erst in ein Heim in Dubuque, Iowa geschickt und wuchsen dort anschließend bei drei verschiedenen Pflegefamilien und in einem Internat auf. Andere Autoren geben an, dass die beiden Schwestern für fünf Jahre nur in verschiedenen Pflegefamilien untergebracht waren. 1965 wurde Ingacio Mendieta zu 20 Jahren Haft verurteilt, weil ihm Kollaboration mit der CIA im Vorfeld der Kuba-Krise vorgeworfen wurde. Im selben Jahr schloss Ana Mendieta die High School ab und begann ein Studium am Briar Cliff College in Sioux City. Im folgenden Jahr konnten ihre Mutter Raquel Mendieta und ihr jüngerer Bruder Ignacio mit einem der Freedom Flights Kuba zu verlassen. Sie siedelten sich Cedar Rapids, Iowa, in der Nähe der beiden Schwestern an, während der Vater weiterhin inhaftiert blieb.
1967 wechselte Mendieta an die Iowa State University. Dort studierte sie im Herbstsemester Kunst und Kultur indigener Völker. 1970 begann sie ihr Aufbaustudium der Malerei an der Iowa State. In dieser Zeit lernte sie den Künstler Hans Breder, der Professor an ihrer Universität war, kennen, mit dem sie in der Folge eine professionelle und romantische Beziehung bis in den Sommer 1980 verband. Breder richtete 1970 ein Intermedia Program als Studiengang ein und war Mitgründer des Center for New Performing Arts (CNPA) der Universität. Mendieta stand für Breder Model und nahm an den CNPA-Workshops von Robert Wilson teil. So war sie an dessen Produktionen Handbill und Deafman Glance beteiligt. Zu dieser Zeit kam sie also mit der künstlerischen Avantgarde der 1970er-Jahre in Kontakt, durch die sie Kunstbewegungen wie den Wiener Aktionismus kennenlernte. 1971 reiste sie nach Mexiko, wo sie einen Sommerkurs in Archäologie absolvierte. Im Jahr 1972 erhielt Mendieta ihren Master of Fine Arts in Malerei, gab in der Folge jedoch die Malerei auf. Stattdessen wandte sie sich der Performance und Mixed Media zu.
Im Jahr 1972 schuf Mendieta mit Grass on Woman sowohl ihr erstes Erd-Körper-Kunstwerk, als auch ihre erste Performance Death of a Chicken. Letztere präsentierte sie im Intermedia Studio, wobei sie das Blut eines geköpften Huhns über ihren Körper spritzen ließ. Im folgenden Jahr intensivierte sie ihre Beschäftigung mit Blut als Medium. Angeregt von der Vergewaltigung und dem Mord einer Studentin der Iowa State schuf Mendieta Werke wie Rape Scene, die Gewalt gegenüber Frauen thematisierten. Im Sommer 1973 reiste sie mit Breder und einer Gruppe von Studenten seines Intermedia-Programms nach Mexiko. In der präkolumbischen Stätte Yagul in Oaxaca schuf Mendieta ihre ersten Siluetas. Im folgenden Sommer kehrte sie mit Breder nach Mexiko zurück, wo sie in Yagul und dem ehemaligen Convento Santiago Apóstol in Cuilapán de Guerrero weitere Siluetas anfertigte. In dem Fischerdorf La Ventosa in der Nähe von Salina Cruz drehte sie Bird Runs und Ocean Bird Washup. Nachdem sie Siluetas am Old Man's Creek in Iowa geschaffen hatte, kehrte Mendieta auch 1975 mit Breder nach Oaxaca zurück. Im Herbst 1975 arbeitete sie erstmals mit Feuer, wobei ihr Julius Schmidt assistierte, der sie mit dem Umgang mit Pyrotechnik vertraut machte. Im Frühjahr 1976 reiste Mendieta gemeinsam mit Breder nach Europa, wo sie die Performance Blood and Feathers aufführte. Im Sommer kehrte sie mit ihm erneut nach La Ventosa zurück, wo sie Siluetas mit natürlichen Materialien und an einem Abend mit Hilfe eines lokalen Pyrotechnikers auch mit Feuer ausführte. Nach ihrer Rückkehr nach Iowa im Herbst begann Mendieta ihre Serie Tree of Life. 1977 setzte sie ihre Arbeit an den Siluetas fort, die sie zu Jahresbeginn und -ende auch in Schnee und Eis ausführte. Inspiriert von ihrem wachsenden Interesse an Bildern von Göttinnen und Begräbnisthemen, begann Mendieta im Sommer am Old Man's Creek eine Serie, die sich Fetischen und der Göttin Ixchel widmete. Daneben setzte sie ihre Arbeiten mit Feuer fort, indem sie mit Pyrotechnik Figuren in die Erde, Gras und Baumstümpfe brannte.
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