Ort: Chanteloup-En-Brie
geboren: 1908
Tod: 2004
Biographie:
Henri Cartier-Bresson war ein französischer Fotograf, Regisseur, Schauspieler, Zeichner, Maler und Mitbegründer der Foto-Agentur Magnum. Er wurde durch seine künstlerische Schwarzweißfotografie bekannt. Im Zweiten Weltkrieg entkam er zweimal aus deutscher Kriegsgefangenschaft und fotografierte die Befreiung von Paris.
Cartier-Bresson wuchs als Sohn der wohlhabenden Familie eines Textilfabrikanten in der Normandie und in Paris auf. Dort besuchte er das Lycée Condorcet, ohne einen Abschluss zu machen. Nach einem Studium der Malerei bei André Lhote in Paris von 1927 bis 1928 widmete er sich ab 1930 der Fotografie. Seine erste große Reportagereise führte ihn 1931 in die Elfenbeinküste. Aufnahmen von seinen zahlreichen Reisen fanden schnell ein Forum in Zeitschriften und auf Ausstellungen. Erfahrungen sammelte er in New York bei Paul Strand. 1937 fotografierte er bei der Krönung Georgs VI. in London. Im Spätsommer 1937, vor der Schlacht von Belchite, reiste er mit dem ehemaligen Herausgeber der Zeitschrift New Theater, Herbert Kline und dem Kameramann Jacques Lemare nach Spanien um einen Dokumentarfilm über den amerikanischen Sanitätsdienst American Medical Bureau im Spanischen Bürgerkrieg zu drehen. Sie drehten im Krankenhaus der Internationalen Brigaden (Villa Paz) in Saelices, in der Nähe der spanischen Hauptstadt. Sie reisten nach zur Küste von Valencia, um die Wiederherstellung der verletzten Freiwilligen in den Villen von Benicàssim zu filmen. Zudem besuchten sie die Abraham-Lincoln-Brigade in Quinto bei Saragossa und drehten den Film With the Abraham Lincoln Brigade in Spain. Von 1937 bis 1939 war Cartier-Bresson Regieassistent bei drei Filmen von Jean Renoir, unter anderem bei Die Spielregel und drehte selbst drei Dokumentarfilme „in der Überzeugung, dass er nicht die Fantasie für ein fiktives Werk“ besitze. Seine 1952 aufgestellte Theorie der Fotografie des „entscheidenden Augenblicks“ illustrierte er schon frühzeitig in seinen Kriegsreportagen. Seine Vorgehensweise beim Fotografieren beschrieb er folgendermaßen:
„Man nähert sich auf leisen Sohlen, auch wenn es sich um ein Stillleben handelt. Auf Samtpfoten muss man gehen und ein scharfes Auge haben. Kein Blitzlicht, das versteht sich wohl, aus Rücksicht vor dem Licht, selbst wenn es dunkel ist. Andernfalls wird der Photograph unerträglich aggressiv. Das Handwerk hängt stark von den Beziehungen ab, die man mit den Menschen herstellen kann. Ein Wort kann alles verderben, alle verkrampfen und machen dicht. “
Er legte beim Fotografieren großen Wert auf eine möglichst perfekte Bildkomposition. Die Vergrößerung sollte dann das gesamte Kleinbildnegativ zeigen, ohne nachträgliche Ausschnitte. Henri Cartier-Bresson hat dabei meist die Dunkelkammerarbeit den Magnum-Agenturlabors überlassen, insbesondere arbeitete er über Jahrzehnte mit Pierre Gassmann zusammen. Er nutzte ganz überwiegend die handlichen und unauffälligen Kleinbildkameras der Marke Leica, die zwecks Realisierung einer möglichst der menschlichen Sichtweise entsprechenden Bildwirkung grundsätzlich mit einem 50-mm-Standardobjektiv ausgerüstet waren, und fotografierte in Schwarz-Weiß, aufgrund der von ihm sehr geschätzten stärkeren künstlerischen Wirkung dieses Filmmaterials.
So behütet Henri Cartier-Bresson aufgewachsen war, so hart konfrontierte ihn sein ereignisreiches Leben mit leidvollen Erfahrungen – eigenen und solchen, die er in Reportagen dokumentierte. Er geriet 1940 für fast drei Jahre in deutsche Kriegsgefangenschaft. Nach zwei gescheiterten Fluchtversuchen gelang es ihm, sich 1943 nach Paris durchzuschlagen. Dort schloss er sich einer Gruppe von Fotografen der französischen Résistance an, die die Zeit der deutschen Besatzung und den deutschen Rückzug in Bildern festhielt.
Nachdem man fälschlicherweise annahm, er sei im Krieg gefallen, widmete das Museum of Modern Art in New York Cartier-Bresson 1947 eine große „posthume“ Retrospektive, an der er mitarbeitete, als klar war, dass er noch lebte. Im gleichen Jahr gründete er mit Robert Capa, David Seymour und George Rodger die Agentur Magnum in Paris, die das Ziel verfolgte, den Fotografen die Rechte an ihren Arbeiten zu belassen.
1948 verbrachte er in Indien, als Mahatma Gandhi ermordet wurde, mit dem er nur kurz zuvor gesprochen hatte. Später bezeichnete Cartier-Bresson dieses Interview als prägendes Ereignis, bei dem Gandhi insbesondere ein Foto aufgefallen war, das er mit dem Tod assoziierte. 1949 erlebt er das Entstehen der Volksrepublik China und die Unabhängigkeit von Indonesien. Seine Reisen führten ihn unter anderem durch Europa, nach Pakistan, in die USA und er besuchte 1954 als einer der ersten ausländischen Fotografen nach Beginn des Kalten Kriegs die Sowjetunion. 1963 besuchte er Mexiko und Kuba.
Cartier-Bresson durfte 1955 als erster Fotograf überhaupt im Pariser Louvre ausstellen. Seine Fotografien wurden gesammelt unter anderem in Images à la sauvette (1952, Bilder im Vorübergehen), D’une Chine à l’autre (1968, China gestern und heute) und Moscou (1955, Moskau) publiziert. 1972 beendete Cartier-Bresson das professionelle Fotografieren und widmete sich intensiv der Zeichenkunst. 1974 wurde er in die American Academy of Arts and Sciences gewählt.
Mehr...
Wikipedia link: Click Here