Paul Welsch

Paul Welsch

geboren: 1889

Tod: 1954

Biographie:

Paul Welsch war ein französischer bildender Künstler.
Paul Welsch erblickte am 26. Juli 1889 in Straßburg das Licht der Welt. Dort begann er sein Hochschulstudium, das er in Hannover beendete. Seine Skizzenbücher (1907–1908) zeigen bereits zu dieser Zeit die Beherrschung der Zeichenkunst. Ein Jurastudium in Straßburg und anschließend ein Studium der Politikwissenschaft in Paris (1909–1911) folgten. Zu dieser Zeit wurde er in Straßburg Schüler Émile Schneiders (1873–1947), an dessen Seite er seine ersten Werke ausstellte. Ab 1911 erlernte er bei Maurice Denis in Paris die Malerei. Dieser Künstler überzeugte ihn, sein Leben den schönen Künsten zu widmen. Welsch verbesserte seine Zeichen- und Gravurtechnik bei Bernard Naudin (1876–1946). Bis ins Jahr 1914 studierte er an der „Académie Ranson“ bei Maurice Denis und Paul Sérusier. In diesen Jahren stellte er, insbesondere an der Société des Artistes Français (Gesellschaft der französischen Künstler) im Mai 1913, eine Reihe von Kupferstichen sehr realistischer Ausführung aus.
Der Erste Weltkrieg führte zu einer kurzfristigen Unterbrechung der beginnenden Karriere: In die deutsche Armee eingezogen, wurde Welsch an der russischen Front verletzt und im Dezember 1914 zurück in die Heimat verlegt. Die zwischen 1914 und 1919 entstandenen Malereien sind durch dichte und nervöse Züge in lebhaften Farben charakterisiert (Place Kléber pavoisée pour l'armistice; Der für den Waffenstillstand beflaggte Kléberplatz , Musée d’Art Moderne et Contemporain de Strasbourg).
Im Jahre 1919 bildete er mit anderen elsässischen Malern – Jacques Gachot (1885–1954), Balthasar Haug (1890–1965), Edouard Hirth (1885–1980), Martin Hubrecht (1892–1965), Luc Hueber (1888–1974), Louis-Philippe Kamm (1882–1959) und Lisa Krugell (1893–1977) – die durch die Werke Paul Cézannes beeinflusste „Groupe de Mai“ (Maigruppe). Bis zum Jahre 1934 stellte die Groupe de Mai in Paris (bei Bernheim-Jeune im Februar 1921) und in Straßburg aus (für gewöhnlich im Maison d'Art Alsacienne; Haus der elsässischen Kunst, 6 rue Brûlée). Paul Welsch baute „wie ein Architekt die Natur wieder auf, indem er mit großer Vornehmheit Formen, Licht, Farben einer strengen Disziplin unterwarf“. Er war einem der Gebote des Meister des Aachener Altars treu geblieben: Poussin nach der Natur zu machen (Robert Heitz, Saisons d’Alsace n° 47, 1973). Nach dem Krieg ließ sich Welsch in Paris nieder.
Im Jahr 1920 illustrierte Welsch sein erstes Buch, „Les bourgeois de Witzheim“ (Die Bürger von Witzheim) von André Maurois. Der Stil dieser Illustrationen erinnert an die Werke Jean-Jacques Waltz’, der unter dem Künstlernamen „Hansi“ bekannt wurde. Im selben Jahr hielt sich Welsch acht Monate lang in Tunesien auf, das er in einer nüchternen, ernsten und lichterfüllten Malerei weit weg von jeglicher „Basarorientalistik“ darstellt. Die Frucht dieser Arbeit wird er in der Galerie Bernheim-Jeune ausstellen (Paris, Februar 1921).
1921 besuchte er erstmals Saint-Tropez, wohin er regelmäßig zurückkehrte. Seine Malerei ist nicht unempfänglich für die Strömungen dieser Zeit und beeinflusst von Marquet, Derain oder Matisse. „Welsch sucht [in seinem Werk Le palmier; Der Palmenbaum] weniger eine Emotion, als die einwandfreie Architektur des Gemäldes, den Kontrast der Formen [...], die ihn zu diesem Zeitpunkt seiner Karriere dem Kubismus näher bringen“ (Robert Heitz: Die Malerei im Elsass). In Werken wie Paysage au bord du Loup (Landschaft am Ufer des Flusses Loup, 1922), Paysage à Florence (Landschaft in Florenz, 1922), Paysage à La Gaude (Landschaft in La Gaude, 1923) und Citadelle à Corte (Zitadelle in Corte, 1925) erforschte er die Landschaften des Südens. Eine Reise nach Italien erlaubte ihm, seine Kenntnisse der Renaissancemaler, insbesondere Masaccios, zu vertiefen. 1922 trat er dem Pariser „Salon d’Automne“ (Pariser Herbstsalon) bei, nahm am 33. „Salon des Indépendants“ (Salon der unabhängigen Künstler) teil sowie im Jahr 1923 am „Salon des Tuileries“. Im selben Jahr erschien das zweite von ihm illustrierte Buch: „Assenet und Amis et Amiles“ (zwei altfranzösische Heldengedichte), sieben Originalholzstiche in geometrischen Zügen mit Nähe zur Glasmalerei.
Diese betonte Geometrie gab Welsch in seinen ab 1924 entstehenden Gemälden nach und nach auf und wendete sich einem eher nüchternen Stil zu. Dieser ist geprägt durch eine Einschränkung der Farbpalette (blau, braun, grün) sowie durch vereinfachte, aber weichere Formen. Auf dem Salon des Indépendants von 1925 konnte man sein Werk Vendanges à Capri (Weinlese in Capri) entdecken, „sehr schlicht und edel in den Linien [...] mit dieser auf den ersten Blick verwirrenden Kunst, das starke Licht durch Halbtöne wiederzugeben“ (Raymond Régamey). Der Künstler fertigte im Jahr 1925 zwei Tafeln für den „Elsässer Pavillon“ für die „Ausstellung der dekorativen Künste“ in Paris an: L'Eau (Das Wasser) und La Terre (Die Erde) (MAMC, Straßburg). Er widmete sich, neben den Landschaften Südfrankreichs, den gedeckten Farben des Elsass und der Stadt Paris, ohne Stillleben oder Aktmalerei zu vernachlässigen, in denen er sich besonders auszeichnete. Die anrührende Kargheit dieser Malerei wird in den Gemälden der südwestfranzösischen Provinz Quercy gipfeln (Route à Puylaroque; Straße in Puylaroque, 1927) mit „schweren Landschaften unter bleiernem Himmel, leer, beunruhigt, in langsamer Erscheinung“ (M. K.). Dank einer vollkommenen Beherrschung der Lasur sickern die lebhaften Farben eher an die Oberfläche, als dass sie sich offensichtlich dem Blick darbieten würden. In den Porträts (Femme au gilet rouge; Frau mit roter Weste, 1929, MAMC, Straßburg) – von Frauen mit oft traurigen Gesichtsausdrücken – wächst der Maler durch die Geschmeidigkeit der Linien und die Kunst der Farbentsprechung über sich selbst hinaus.

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