Walker Evans

Walker Evans

Ort: St. Louis

geboren: 1903

Tod: 1975

Biographie:

Walker Evans war ein US-amerikanischer Fotograf.
Evans wuchs in einer wohlhabenden Familie auf und besuchte unter anderem die private Loomis Chaffee School in Windsor. Früh entwickelte er ein ausgeprägtes literarisches Interesse und unternahm 1926 eine Reise nach Paris, um sich auf eine Schriftstellerkarriere vorzubereiten. In Paris schrieb er sich an der Université Sorbonne ein. Seine Studien galten den Werken von Gustave Flaubert und Charles Baudelaire, während er außerdem mit dem Werk von James Joyce sehr vertraut war. Evans hielt sich für ein Jahr in Paris auf und bewegte sich dort in den Literaten- und Künstlerkreisen.
Zurück in den Vereinigten Staaten gab Evans den Berufswunsch des Schriftstellers auf und widmete sich ab 1928 als Autodidakt der Fotografie. Vertraut mit den Arbeiten des Bauhauses und der Russischen Avantgarde verfolgte er einen grafisch abstrahierenden, konstruktivistischen Stil. Seine Motive fand er vornehmlich in New York. Seine Serie der Brooklyn-Brücke wurde 1929 in dem Gedichtband The Bridge von Hart Crane veröffentlicht. Evans hatte zu diesem Zeitpunkt bereits seinen Stil verändert. Er fotografierte auf 35-mm-Filmen das Leben auf den Straßen New Yorks. Aufgrund seiner prekären finanziellen Lage war Evans nachts berufstätig und fotografierte tagsüber. Seine Frau finanzierte die Miete der gemeinsamen Wohnung.
Im selben Jahr lernte Walker Evans den ebenfalls literarisch interessierten Lincoln Kirstein kennen, Herausgeber der Zeitschrift Hound & Horn. Über ihn lernte er Berenice Abbott kennen, bei der er erstmals Originale von Eugène Atget sah. Kirstein initiierte 1929 Evans’ erste Ausstellungsbeteiligung (mit Margaret Bourke-White und Ralph Steiner) im Museum of Modern Art, New York. Evans’ Auseinandersetzung mit dem Werk von Walter Benjamin mündete in einem von ihm verfassten Artikel in Hound & Horn. Hier wird deutlich, dass er auch die deutsche Neue Sachlichkeit kannte und mit dem Werk der deutschen Fotografen Albert Renger-Patzsch und August Sander vertraut war. Kirstein regte Evans an, sich mit den großen amerikanischen Dokumentaristen Mathew B. Brady und Lewis Hine zu beschäftigen, um ihm schließlich ein dokumentarisches Projekt vorzuschlagen. Zu einem von Kirstein geplanten Buch über die im Verschwinden begriffene viktorianische Literatur in Neu-England fotografierte Walker Evans 1931 typische Beispiele dieses historischen Baustils. Nach der Arbeit im Kleinbild setzte er hierzu erstmals eine geliehene Großformat-Kamera ein. Im Rahmen dieser Arbeit entwickelte Evans seinen „dokumentarischen Stil“ (documentary style). Er bildete die Gebäude weitgehend frontal ab, ohne stilistische Zuspitzungen (frontaler Zugang zur Wirklichkeit), und wählte ihm geeignet erscheinende Lichtbedingungen, mit denen Konturen betont werden können. Er legte Wert darauf, sich von der reinen Dokumentation (er nennt die Tatort-Fotografie der Polizei als Beispiel) abzugrenzen und verstand sich als Künstler.
Aufträge von Zeitschriften/Magazinen führten ihn 1932 nach Tahiti und 1933 nach Kuba. In diesen Jahren (1931/32) arbeitete er ebenfalls in Upper Greenwich Village mit anderen Künstlern im Studio. Für die Zeitschrift Fortune entstand 1934 eine Reportage über die Kommunistische Partei der USA. 1935 fotografierte er für das Museum of Modern Art (MoMa) afrikanische Masken. Für mehrere Aufträge reiste Evans in den Süden der USA, der ihn zunehmend interessierte. Er erweiterte sein Spektrum um Innenaufnahmen und Straßenfotografie, mit dem er insbesondere Werbetafeln und die ihnen eigene zeitgemäße Typografie festhielt. Evans setzte neben einer Großformatkamera (8 × 10 inch) eine Leica ein.
Nachdem Evans mehrere Aufträge für die Resettlement Administration (RA) ausgeführt hatte, wurde er im Oktober 1935 von dieser eingestellt. Diese Institution wurde im Rahmen von Präsident Roosevelts Politik des New Deal zur Verbesserung der Lage der Landbevölkerung, besonders der Farmer und Pächter, gegründet. Evans war Mitarbeiter der Historical Section, die sich der fotografischen und soziologischen Dokumentation widmete – 1937 kam diese Organisation unter das Dach der Farm Security Administration (FSA). Walker Evans’ Vertrag war auf sein Drängen so ausgestaltet, dass er weitgehend seinen Interessen folgen konnte. Er hatte sich ausbedungen, dass er nicht direkt für den politischen (Propaganda-)Auftrag der RA/FSA eingesetzt werden würde; Evans: „Es handelt sich hier um ein bloßes Aufzeichnen, und vor allem nicht um Propaganda …“ (nach Walker Evans at Work). Er arbeitete bis 1938 und hauptsächlich in den Südstaaten für die FSA.
1936 erhielt Walker Evans zusammen mit dem Schriftsteller James Agee des Magazins Fortune den Auftrag für eine Reportage in den Südstaaten. Sie sollten über Situation der Landpächter berichten. Für diesen Auftrag ließ Evans sich von der FSA beurlauben. Dies kam unter der Bedingung zustande, dass die Rechte an seinen Fotografien an die FSA abgetreten wurden. Evans reiste mit Agee nach Alabama. Im Hale County vereinbarten sie mit drei Familien einen Vertrag über die Zusammenarbeit für die geplante Reportage. Während Agee für den Zeitraum der Reportage zu einer der Familien (unter äußerst armen Rahmenbedingungen) zog, mietete Evans sich in einem Hotel ein. Die dort entstandenen Aufzeichnungen von Agees und Evans entsprachen schließlich nicht den Erwartungen der Auftraggeber, da das Material den Rahmen einer Reportage sprengte. Agee entschloss sich daraufhin zu einer Buchveröffentlichung, 1941 erschien: Let us now praise famous men (deutsche Ausgaben: Preisen will ich die großen Männer). Das Buch beginnt unvermittelt mit einer Auswahl von 31 Walker Evans’ Fotografien. Darauf folgt Agees Text. Von der Erstausgabe wurden nur 4000 Exemplare verkauft, das Buch fand keine große Resonanz. In die Neuauflage von 1960 sind insgesamt 62 Fotografien einbezogen. Anscheinend bedingt durch die eingetretene größere zeitliche Distanz zur Großen Depression und dem Weltkrieg wurde das Buch ein großer Erfolg.

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